Stadtrundgänge 2004
Nach der großen Resonanz bei den Stadtrundgängen 2003 nutzte der Stammtisch Barmeierplatz die dunkle Jahreszeit, um neue Pläne für 2004 zu machen, und beschloss, sich dabei den kleinen Orten neben dem Zentrum zu widmen.
Wieso Ortsteile? Gemeinsames Thema der Fahrradrundfahrten durch Engeraner Ortsteile ist die Frage: Was verbindet eigentlich ein Engeraner mit einem Ortsteil wie z.B. Besenkamp – und umgekehrt? Da es auch in den "Dörfern" viel zu entdecken gibt, wollen die Veranstalter ihre Erkundungen noch ausweiten und Ortsteilbewohner ermutigen, diese Aktionen zu unterstützen oder auch selbst die Initiative zu ergreifen und ihren Teil von Enger zu präsentieren. Von den Rundgängen und –fahrten erhoffen sich der Stammtisch Barmeierplatz und seine Helfer mehr Begegnungen zwischen den Enger-Bewohnern, mehr Austausch von Beobachtungen und Wünschen, mehr Kontakte zwischen "Rand-Engeranern" und Zentrum und mehr Neugier auf die Stadt mit ihren unterschiedlichen Erscheinungsbildern. Vielleicht entsteht dabei sogar ein etwas breiteres Engagement für eine positive Stadtentwicklung. Für Neubürger sind die Ausflüge eine gute Gelegenheit, ihren Wohnort besser kennen zu lernen.
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3.6.2004: Ortsteil Pödinghausen - Ulrike Kindermann,
Matthias Rasche
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Am Wäldchen hinterm Sportplatz erfuhren die Besucher, dass es hier einst eine Brücke über die Kleinbahn gegeben hat. Presse NW / Bohnenkamp-Schmidt |
In 90 Minuten von Pödinghausen bis Athen Der Weg führte die Rundgänger diesmal in den Süden von Enger in den Ortsteil Pödinghausen. Darum war die Gruppe mit dem Fahrrad unterwegs und entdeckte die einstige Verkehrsverbindung nach Enger, die Kleinbahntrasse. Zunächst erfuhr man einiges über die Geschichte Pödinghausens, blickte von einem der höchsten Punkte Engers bis ins Wiehengebirge (mehr...), staunte über ein verschwundenes Denkmal mitten auf einer Straßenkreuzung und lauschte einigen Geschichten aus der Zeit der Kleinbahn. Am Roten Kotten schilderte Helmut Meyer als Augenzeuge sehr eindringlich seine Eindrücke vom Angriff auf einen Zug der Kleinbahn am 16. Februar 1945 (mehr...) und berichtete von einem ehemaligen Gefängnis nah am Wege. Gegen Ende der Tour „erlebten“ die Radler einen Frauenaufstand im Engeraner Bruch (mehr...) |
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Frisch geschlüpft am Baumstamm Foto uki |
Für den Besenkamp-Ausflug konnten Inge Nienhüser von
der Umweltabteilung der Stadt Enger und Ulrike Kindermann vom Stammtisch
Barmeierplatz einen ganz wichtigen Helfer gewinnen: Jochen Höner, Landwirt
am Lachtropweg. Sein Großvater hat die beeindruckende Allee gepflanzt,
die das Landschaftsbild östlich der Bünder Straße prägt. Er gab Hinweise
auf zwei Gebäude, die nacheinander einmal eine Schule beherbergt haben.
Eine weitere Schule ist noch bekannt – sie ist heute der Sitz der Nordengerländer
Schützen. Das Hauptziel der Tour war aber die Allee am Lachtropweg mit
ihren großen, Schatten spendenden Bäumen. Hier besuchten die Radler
ganz in Ruhe eine ungewöhnliche "Ausstellung". In den Buchenrinden erwarten
den Betrachter nämlich "Baumbilder", die niemand gemacht hat, die aber
Linien und "Gegenstände" zeigen, wie man sie in einer Grafik-Ausstellung
erwarten könnte. Jeder konnte mit Hilfe dieser Bilder seiner Phantasie
freien Lauf lassen – allerdings leider nur noch kurz, weil die Zeitplanung
diesmal nicht perfekt war und die Dämmerung nicht warten wollte. Aber
da kann man ja noch mal hingucken... Über die "Körpersprache der Bäume"
gab es außerdem einige anregende Hinweise von Inge Nienhüser. (mehr...)
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17.6.2004: 'Baumbilder' in Besenkamp - Inge Nienhüser,
Ulrike Kindermann, Else Höner, Gast: Heinz-Jürgen Uffmann
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WesterENGER Der wirklich westlichste Ortsteil von Enger liegt so westlich, dass manche ihn für den östlichen Teil der Nachbarstadt Spenge ansehen. Tatsächlich hatten die Westerengeraner während der Planung zur kommunalen Neuordnung zeitweise die Überlegung angestellt, sich der neu zu gründenden Nachbarstadt Spenge anzuschließen, dies wurde jedoch bekanntlich nicht realisiert. An diesem Abend nun führte der Weg die Gruppe entlang des Hauptverbindungsweges, der Spenger Straße, zurück in die Zeit, als es in Westerenger jede Menge Bäcker und Tante-Emma-Läden, dafür aber kaum ein Auto gab. Auf historischen Fotos und mit Hilfe von Zeitzeuge Waldemar Rasche und anderen alten Westerengeranern, die der Einladung zum Stadtrundgang gefolgt waren, wurde die alte Zeit wieder lebendig. Dazu gab es amüsante Geschichten (mehr...), die belacht und kommentiert wurden. Die Gruppe fuhr vom Westen Richtung Osten vorbei an der Sparkasse, früher Kohlenhändler Merhoff, und der Schule, heute Kindergarten, bog beim Haus Josting, dem heutigen Sitz der Volksbank, ab und gelangte über die Dreyener Straße und Am Bahndamm zum Bahnhof der Herforder Kleinbahnen. Hier erfuhren die Rundgänger, die im Übrigen an diesem Abend Rundfahrer (mehr...) waren (da Westerenger zum Durchwandern im Rahmen eines Stadtrundgangs einfach viel zu groß ist), dass es früher im Ort drei Kohlenhändler gab. Beförderte die Kleinbahn die bestellten Kohlen heran, mussten die Händler schnell kommen und eigens die abgestellten Kohlenwagen bewachen, da sonst vor dem Entladen durch die Eigentümer schon die Bevölkerung sich einen Teil der Kohlen unentgeltlich geholt hätten. Es waren eben schwere Zeiten. Auch hatte die Kleinbahn auf ein Bahnhofsgebäude verzichtet. Als Güterschuppen diente ein ausrangierter Güterwagen, Fahrkarten erhielt man in der Bahnhofskneipe. Hier konnte man auch auf den nächsten Zug warten. Besitzer waren die Eheleute Kronsbein, die das Lokal bis zum Tod von Herrn Kronsbein betrieben. Einige Zeit führte die Witwe die Kneipe weiter, bis sie erneut heiratete und alles an einen Bockermann übereignete, der das Lokal in gewohnter Weise weiterführte. Ein großer Wartesaal gehörten ebenfalls zur Wirtschaft, der aber auch schon mal zum Feiern genutzt wurde. Nach 1948 wurde für die Schüler des Ortes, bedingt durch Ausfälle während des Krieges, im Saal eine Nachholklasse eingerichtet, da für dieses zusätzliche neunte Schuljahr (bis dato gingen Kinder acht Jahre zur Schule) im eigentlichen Schulgebäude, auch auf Grund von Umbauarbeiten, der Platz nicht ausreichte. Einst wollten einige Schüler der Klasse Schulfrei geben, indem sie das Schlüsselloch mit Holz verstopften, sodass die Tür nicht mehr aufzuschließen war.. |
14.9.2004: Ortsteil Westerenger - Ulrike Kindermann,
Waldemar und Matthias Rasche
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Alte Dorfansicht der Spenger Straße in Westerenger Sammlung Brakensiek |
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21.9.2004: Ortsteil Steinbeck - Ulrike Kindermann, Heinz-Jürgen Uffmann, Matthias Rasche |
Längst verschwunden: Das einstige beliebte Ausflugslokal Schäperkötter fiel dem Straßenbau an der Hiddenhauser Straße zum Opfer – und damit auch das damalige Zentrum von Steinbeck. Presse NW / Archiv
Das Kleinbahnmuseum Enger schaffte das historische Steinbecker Abstellgleis wieder an Ort und Stelle. Das Gleis kann mit einer Draisine befahren werden – manchmal. Es eignet sich aber auch für Balanceakte. Foto: Harald Wurm |
Mit der Bahn bis Steinbeck Zu einem ungewöhnlichen Bahnausflug trafen sich an diesem Abend die Stadtrundgänger, denn auf den Spuren der Kleinbahn ging die Reise bis nach Steinbeck. Doch man bewegte sich per Rad, da man sonst nicht fahrplanmäßig den Endpunkt in Steinbeck erreicht hätte. Am Bahnhof Enger begrüßte Zugbegleiter Matthias Rasche die Fahrgäste und gab einige Informationen zum Bahnhof, der in besseren Tagen wichtiger Knotenpunkt war. So kamen hier bis zum Jahr 1954 täglich 40 Züge an. Von hier traten nun auch die Stadtrundgänger ihre Reise an, um nach kurzer Fahrt die Haltestelle Wörde zu erreichen. Dieser Halt im östlichen Teil von Enger wurde von der Bahngesellschaft eingerichtet, um in diesem stärker besiedelten Gebiet Kunden zu gewinnen. Auch die Nähe zum Krankenhaus wird bei der Einrichtung der Haltestelle eine Rolle gespielt haben. Die Gruppe erfuhr, dass bis in die 1970er Jahre der Verlauf der Herforder Straße ein anderer war und die kurvenreiche Strecke begradigt wurde. Von hier führte der Weg bis zur ehemaligen Badeanstalt Bad Belke (mehr...), die bis 1958 von der Familie Dreckmann betrieben wurde. Bereits kurze Zeit später erreichte die Gruppe den Bahnhof Steinbeck. Direkt im Bahnhofsbereich liegt die alte Wassermühle von 1723, die noch bis in die 1980er Jahre in Betrieb war. Ebenfalls beherbergte die Mühle einen kleinen Landhandel. Nicht mehr vorhanden ist heute die Gaststätte Schäperkötter, ein beliebtes Ausflugsziel zu Bahnzeiten, das dem Straßenbau weichen musste. Hier hieß es nun „aussteigen“, denn jetzt verließ man die Kleinbahn und begab sich in den Ort. Zuvor wurde aber noch ein Geheimnis gelüftet, nämlich warum die Steinbecker denn Steinbecker heißen (mehr...). Danach übernahm Heinz-Jürgen Uffmann als Stadtführer für die Ortschaft Steinbeck die Leitung und begab sich mit der Reisegesellschaft zum Hof Mey an der Kaiserstraße, wo sich während des 2. Weltkriegs eine verheerenden Explosion ereignete. Ebenfalls bemerkenswert ist die alte Kastanie auf dem Hof. Die tief herunterhängenden Zweige lassen den Eindruck eines grünen Zimmers entstehen. Weiter ging es die Kaiserstraße hinauf bis zum Kuhlenweg. Auf einer Besitzung wurde vor 20 Jahren eine alte Chronik entdeckt, in der interessante Dinge niedergeschrieben sind. Die letzte Station der Reise war die alte Dorfkirche, die, wie man erfuhr, aus dem Umbau eines alte Bauernhauses entstand. Die Stadtrundgänger erhielten viele Informationen zum Umbau und somit zur Entstehung des Gotteshauses. Nach so viel Wissenswertem gab es zum Ende des Abends eine weitere Überraschung: Nachwuchsmusiker Daniel Rasche spielte zur Erbauung ein Stück auf der Kirchenorgel. |







