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Pressebericht Reliquien (Text NW/Kindermann)

Diese Sache mit den Reliquien

„Wo Mathilde drauf steht, muss nicht unbedingt...“

Enger. Rätselraten gab es in Engeraner Museumskreisen immer mal wieder um die Hand oder auch den kleinen Finger des heiligen Dionysius. Darum stieß eine Anmerkung von Professor Heinrich Rüthing in seinem Vortrag am Mittwoch Abend auf besonderes Interesse.

Der französische König Karl der Einfältige habe einst Heinrich I. die Hand des Schutzpatrons der Engeraner Stiftskirche als Reliquie überreichen lassen, wusste der Historiker zu berichten. Ob diese Hand in Enger aufbewahrt wurde, sei nicht bekannt – allerdings sei das auch nicht undenkbar.

Auf Nachfragen relativierte der Professor jedoch ein wenig die Bedeutung solcher Heiligtümer: „Ein richtiger, echter Heiliger ist man erst, wenn man ganz viel aufgeteilt wird.“ Es gebe zum Beispiel in aller Welt unzählige Liborius-Reliquien. Und vor Sagen sei auch gewarnt, sagte er: „Bei Sagen stochert man ganz schnell im Nebel.“

Ungeklärt ist seit langem der Aufenthalt der Gebeine Heinrichs I., der zwar in Quedlinburg begraben wurde, dessen Überreste aber nachweislich nicht mehr in seinem Grab liegen. Wo ist Heinrich? „Man weiß es nicht.“

Mathildes Grab enthalte dagegen noch Gebeine. Theoretisch mögliche DNA-Analysen zum Vergleich mit denen von dem Engeraner „Vielleicht-Widukind“ würden aber nach Rüthings Ansicht keine klare Beweislage für die Identität der beiden Personen ergeben: „Auch wo Mathilde draufsteht, muss nicht unbedingt Mathilde drin sein.“